Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Gute Kleidung zu erkennen hat weniger mit dem Preisschild zu tun als mit geschulten Händen und Augen.

  • Die handwerkliche Integrität einer Naht ist der zuverlässigste Indikator für Langlebigkeit.
  • Einfache, physische Tests am Stoff verraten mehr über die materielle Ehrlichkeit als jedes Marketing-Versprechen.
  • Details wie Knöpfe und Reißverschlüsse sind verräterische Zeichen für die Sorgfalt (oder den Mangel daran) bei der Herstellung.

Empfehlung: Trainieren Sie Ihren Blick und Tastsinn, um bewusste Kaufentscheidungen zu treffen, die sich langfristig auszahlen.

Kennen Sie das Gefühl? Sie investieren in ein vermeintlich hochwertiges Kleidungsstück, vielleicht sogar von einer bekannten Marke, und nach wenigen Wäschen bilden sich die ersten Löcher an der Naht, der Stoff verzieht sich oder die Farbe verblasst. Diese Frustration ist weit verbreitet und führt zu einem Kleiderschrank voller Enttäuschungen. Viele Ratgeber empfehlen, auf Naturfasern zu achten oder sich an teuren Marken zu orientieren, doch diese Ratschläge greifen oft zu kurz. Ein hoher Preis ist längst keine Garantie mehr für eine entsprechende Gegenleistung in Form von Haltbarkeit und Verarbeitung.

Das eigentliche Problem ist, dass wir verlernt haben, die physische Substanz eines Kleidungsstücks zu beurteilen. Wir verlassen uns auf Marken-Images und Preisetiketten, statt unsere eigenen Sinne zu nutzen. Doch was wäre, wenn die wahre Qualität nicht im Marketing, sondern in der handwerklichen Ausführung verborgen liegt? Wenn die strukturelle Belastbarkeit einer Naht, die Dichte eines Gewebes und die saubere Verarbeitung eines Knopflochs mehr über die Lebensdauer eines Kleidungsstücks aussagen als alles andere?

Dieser Artikel verfolgt genau diesen Ansatz. Er ist ein Plädoyer dafür, wieder zum aktiven, wissenden Konsumenten zu werden. Statt Ihnen eine Liste von Marken zu geben, schulen wir Ihren Blick und Ihre Hände. Sie lernen die Methoden eines Bekleidungstechnikers, um die Sprache der Textilien zu entschlüsseln. Wir führen Sie von der fundamentalen Bedeutung der Naht über den schnellen Stofftest im Laden bis hin zur Bewertung unscheinbarer Details. Am Ende werden Sie in der Lage sein, echte Qualität von bloßer Fassade zu unterscheiden und eine Garderobe aufzubauen, die auf Stil, Langlebigkeit und handwerklicher Integrität beruht.

Dieser Leitfaden ist in logische Schritte unterteilt, die Sie direkt beim nächsten Einkauf anwenden können. Wir beginnen mit dem wichtigsten Qualitätsmerkmal – der Naht – und arbeiten uns systematisch zu den Details vor, die oft übersehen werden.

Die Naht als Wahrheit: Der erste und wichtigste Blick zur Beurteilung der Qualität eines Kleidungsstücks

Die Nähte sind das Skelett eines jeden Kleidungsstücks. Sie halten alles zusammen und sind die erste Stelle, an der sich minderwertige Verarbeitung zeigt. Eine gute Naht ist nicht nur eine Frage der Optik, sondern ein entscheidendes Kriterium für die strukturelle Belastbarkeit. Bevor Sie also auf den Schnitt oder die Farbe achten, werfen Sie einen genauen Blick auf die Verbindungen. Hochwertige Nähte sind gerade, gleichmäßig und weisen eine hohe Stichdichte auf – das heißt, die einzelnen Stiche liegen eng beieinander. Dies verhindert, dass die Naht unter Spannung reißt.

Drehen Sie das Kleidungsstück auf links. Hier offenbart sich die wahre handwerkliche Integrität. Sind die Kanten sauber versäubert, idealerweise mit einer Kappnaht wie bei Jeans oder einer französischen Naht bei feinen Blusen? Oder sehen Sie nur eine simple Overlock-Naht, deren Fäden sich leicht ziehen lassen? Ein besonders wichtiger Test bei dehnbarer Maschenware, wie T-Shirts oder Sweatshirts: Ziehen Sie leicht an der Naht. Eine gut gemachte Naht bleibt flach und dehnt sich mit dem Stoff. Entsteht eine Wulst oder sehen Sie gar die Fäden durchscheinen, wurde zu knapp genäht – hier werden über kurz oder lang Löcher entstehen.

Die visuelle Unterscheidung zwischen einer robusten Kappnaht und einer einfachen Overlock-Naht ist ein Schlüssel zur Qualitätsbeurteilung. Die folgende Abbildung zeigt den Unterschied im Detail.

Makroaufnahme von verschiedenen Nahtarten an Kleidungsstücken

Wie Sie sehen, ist die Kappnaht doppelt gefaltet und vernäht, was sie extrem haltbar macht. Die Overlock-Naht sichert lediglich die Kante. Achten Sie auch auf das Garn: Bei Qualitätsware ist es farblich exakt auf den Stoff abgestimmt (außer bei bewussten Kontrastnähten) und fühlt sich stabil an. Ein dünnes, fusseliges Garn ist ein klares Warnsignal. Diese Details entscheiden darüber, ob ein Kleidungsstück eine Saison oder eine Dekade übersteht.

Fühlen, knüllen, schauen: Wie Sie die Qualität eines Stoffes in 10 Sekunden testen können

Nach den Nähten ist der Stoff selbst die wichtigste Komponente. Die Qualität des Materials bestimmt nicht nur den Tragekomfort, sondern auch, wie ein Kleidungsstück fällt, altert und wie pflegeleicht es ist. Der erste Schritt ist die haptische Prüfung. Fahren Sie mit den Händen über den Stoff. Fühlt er sich substanziell an oder dünn und papierartig? Hochwertige Naturfasern wie gute Baumwolle, Leinen oder Wolle haben oft ein gewisses Gewicht und eine dichte, gleichmäßige Struktur. Bei Baumwolle erkennen Sie gute Qualität an langen Fasern, die zu einem glatten, leicht glänzenden und festen Gewebe verarbeitet sind.

Ein extrem effektiver Test, der nur wenige Sekunden dauert, ist der Knittertest. Nehmen Sie ein kleines Stück des Stoffes, idealerweise an einer unauffälligen Stelle, und zerknüllen Sie es für etwa fünf Sekunden fest in Ihrer Faust. Öffnen Sie die Hand und sehen Sie sich das Ergebnis an. Glättet sich der Stoff fast von selbst wieder aus oder bleibt er ein zerknittertes Bündel? Stoffe, die diesen Test bestehen, besitzen eine höhere Faserqualität und eine bessere Webart. Synthetische Beimischungen können die Knitterneigung zwar reduzieren, führen aber oft zu Pilling. Hier gilt es, den Gesamteindruck zu bewerten.

Schauen Sie sich den Stoff zuletzt gegen das Licht an. Wirkt das Gewebe gleichmäßig oder sehen Sie Unregelmäßigkeiten, dünnere Stellen oder kleine Knötchen (Pilling)? Eine dichte, gleichmäßige Webart ist ein klares Zeichen für materielle Ehrlichkeit und Langlebigkeit. In Deutschland achten immer mehr Verbraucher auf zertifizierte Qualität. So haben laut Bundesministerium bis 2024 Verbraucher bereits 425 Millionen Textilien mit dem Grünen Knopf gekauft, einem staatlichen Siegel, das anspruchsvolle soziale und ökologische Standards garantiert. Siegel wie GOTS oder der Grüne Knopf können ein zusätzlicher Hinweis auf hochwertige Rohstoffe und Verarbeitung sein.

Teuer ist nicht immer besser: Warum der Preis oft mehr über das Marketing als über die Qualität aussagt

Einer der hartnäckigsten Mythen in der Modewelt ist die Annahme, dass ein hoher Preis automatisch hohe Qualität bedeutet. Während es eine untere Preisgrenze gibt, unter der gute Materialien und faire Arbeitsbedingungen kaum möglich sind, ist der Umkehrschluss trügerisch. Oftmals fließt bei teuren Marken ein Großteil des Preises in Marketingkampagnen, teure Ladenmieten und das Prestige des Logos, nicht aber zwangsläufig in eine bessere handwerkliche Verarbeitung oder langlebigere Materialien. Ein T-Shirt für 100 € kann aus demselben Stoff und in derselben Fabrik gefertigt sein wie ein Modell für 20 €.

Diese Diskrepanz zwischen Preis und wahrer Substanz wird besonders deutlich, wenn man bewusst produzierende Unternehmen mit Fast-Fashion-Giganten vergleicht. Der Wert liegt hier nicht im Namen, sondern in der Produktionsweise.

Diese Analyse wird durch Expertenmeinungen gestützt. So fasst es der T-Online Ratgeber treffend zusammen:

Oftmals zahlen Sie bei Markenprodukten für den Namen beziehungsweise das Marketing einen Aufpreis, und nicht unbedingt für eine bessere Qualität.

– T-Online Ratgeber, T-Online Mode & Beauty

Die echte Alternative liegt nicht darin, blind teuer zu kaufen, sondern den Wert eines Stücks selbst zu erkennen. Oft finden sich die wahren Schätze dort, wo man sie nicht erwartet: in Second-Hand-Läden, bei kleinen, unbekannten Labels oder bei traditionellen Herstellern, die mehr in ihr Produkt als in ihre Werbung investieren.

Vintage Second-Hand Laden mit hochwertigen Kleidungsstücken

Ein Vintage-Mantel aus reiner Schurwolle kann eine Fast-Fashion-Alternative um Jahrzehnte überdauern und kostet oft nur einen Bruchteil. Hier zeigt sich, dass Langlebigkeit das ultimative Qualitätskriterium ist, und dieses ist völlig unabhängig vom ursprünglichen Preisschild. Es erfordert lediglich das Wissen, worauf man achten muss.

Der folgende Vergleich zeigt, wie sich die Prioritäten unterscheiden:

Wie die folgende Tabelle am Beispiel des deutschen Herstellers Trigema zeigt, liegen die Unterschiede in der Produktionsphilosophie, nicht nur im Preis.

Vergleich: Trigema Made in Germany vs. Fast Fashion
Kriterium Trigema (Made in Germany) Fast Fashion
Produktion 100% in Deutschland Meist Asien
Material 100% Baumwolle/Bio-Baumwolle Oft Mischgewebe mit Synthetik
Waschbeständigkeit 60°C waschbar Oft nur 30°C
Preisbereich T-Shirt 29-54€ 5-15€

Der Teufel steckt im Detail: Warum Knöpfe und Reißverschlüsse mehr über die Qualität verraten als das Etikett

Wenn ein Hersteller an den Details spart, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch an anderer Stelle gespart wurde. Knöpfe, Knopflöcher und Reißverschlüsse sind verräterische Indizien für die allgemeine Sorgfalt und die handwerkliche Integrität eines Kleidungsstücks. Ein hochwertiger Knopf ist oft aus Naturmaterialien wie Horn, Perlmutt oder Metall gefertigt und fühlt sich substanziell an, im Gegensatz zu billigem, leichtem Plastik. Achten Sie darauf, wie der Knopf angenäht ist: Ist der Faden fest und mehrfach gewickelt, idealerweise mit einem kleinen „Hals“ aus Garn, der etwas Abstand zum Stoff schafft? Das ist ein Zeichen von Qualität.

Noch wichtiger ist das Knopfloch. Es sollte sauber und dicht mit Faden eingefasst sein, ohne dass einzelne Fasern ausfransen. Die Enden des Knopflochs sind idealerweise durch eine sogenannte Riegelung, eine dichtere Naht, verstärkt, um ein Ausreißen zu verhindern. Der Knopf sollte exakt in das Loch passen – nicht zu locker, aber auch nicht so eng, dass man kämpfen muss.

Bei Reißverschlüssen gilt: Testen! Öffnen und schließen Sie den Reißverschluss mehrmals. Er muss sanft und ohne zu hakeln gleiten. Führende Hersteller wie YKK oder Riri sind oft ein Indikator für Qualität, da Billigproduzenten an dieser Stelle gerne sparen. Prüfen Sie auch, ob der Reißverschluss sauber eingenäht ist und der Stoff daneben flach liegt. Ein weiteres klares Qualitätszeichen, das leider immer seltener wird, ist das Vorhandensein von Ersatzknöpfen, die in einem kleinen Tütchen am Etikett befestigt sind. Dies zeigt, dass der Hersteller davon ausgeht, dass das Kleidungsstück lange genug leben wird, um eine Reparatur zu rechtfertigen.

Ihre Checkliste zur Prüfung von Verschlüssen im Geschäft

  1. Knopflöcher prüfen: Sind die Kanten sauber und dicht vernäht, ohne auszufransen?
  2. Passform der Knöpfe: Passen die Knöpfe perfekt durch die Löcher, ohne zu klemmen oder zu locker zu sein?
  3. Reißverschluss-Test: Gleitet der Reißverschluss mehrfach reibungslos auf und ab?
  4. Ersatzknopf suchen: Ist ein Ersatzknopf vorhanden? Dies ist ein klassisches Zeichen für Sorgfalt und Langlebigkeit.
  5. Verstärkung kontrollieren: Sind die Enden der Knopflöcher durch eine dichtere Naht (Riegelung) verstärkt?

Gebaut für die Ewigkeit (oder nicht): Welche Kleidungsstücke sich leicht reparieren lassen und welche Wegwerfprodukte sind

Wahre Qualität bemisst sich nicht nur daran, wie lange ein Kleidungsstück hält, sondern auch daran, wie gut es sich reparieren und anpassen lässt. Die moderne Fast Fashion hat eine Kultur des Wegwerfens etabliert, bei der Kleidung so konstruiert wird, dass eine Reparatur oft teurer und aufwändiger ist als ein Neukauf. Ein hochwertiges Kleidungsstück hingegen ist für ein langes Leben konzipiert und bringt die Voraussetzungen für einfache Anpassungen mit.

Das wichtigste Merkmal für Reparierbarkeit ist eine ausreichende Nahtzugabe. Drehen Sie das Kleidungsstück auf links und schauen Sie sich die inneren Nähte, besonders an den Seiten und am Saum, an. Bei einem gut gemachten Sakko oder einer hochwertigen Hose finden Sie oft 3-4 cm überschüssigen Stoff. Diese simple Zugabe ermöglicht es einem Schneider, das Kleidungsstück problemlos enger oder weiter zu machen. Bei Billigprodukten ist die Nahtzugabe oft nur wenige Millimeter breit, was jede Anpassung unmöglich macht. Vermeiden Sie außerdem geklebte Säume, die sich bei Hitze lösen und kaum reparieren lassen. Ein genähter Saum ist immer die bessere Wahl.

Auch die Konstruktion der Ärmel kann Aufschluss geben. Ist am Ärmelsaum genug Stoff vorhanden, um die Ärmel bei Bedarf zu verlängern? Sind die Nähte, wie bereits besprochen, robust und sauber verarbeitet (z.B. als französische Naht), sodass sie sich öffnen und wieder schließen lassen, ohne den Stoff zu beschädigen? In Deutschland haben Sie zudem gesetzliche Rechte: In Deutschland haben Verbraucher 2 Jahre gesetzliche Gewährleistung nach § 437 BGB, wenn ein Mangel bereits beim Kauf bestand. Dies gilt auch für schnell reißende Nähte oder defekte Reißverschlüsse, die nicht auf unsachgemäße Nutzung zurückzuführen sind.

Merkmale reparaturfreundlicher Kleidung auf einen Blick:

  • Großzügige Nahtzugabe (mindestens 3-4 cm) an Säumen und Seitennähten.
  • Verdeckte oder französische Nähte anstelle von offenen Overlock-Kanten.
  • Genähte Säume und Applikationen anstelle von geklebten Elementen.
  • Ausreichend Stoffreserven an Ärmeln und Hosenbeinen zum Verlängern.
  • Verwendung von Standard-Knöpfen, die leicht ersetzt werden können.

Bevor die Rückgabefrist abläuft, kann es sich lohnen, ein potenzielles Lieblingsstück einem Schneider zu zeigen und nach seiner Einschätzung zur Reparierbarkeit zu fragen. Dies ist eine kleine Investition, die sich über Jahre auszahlen kann.

Was macht einen Klassiker aus? Die Kriterien, die ein Kleidungsstück zu einer zeitlosen Ikone machen

Über die reine Haltbarkeit hinaus gibt es Kleidungsstücke, die eine besondere Form der Qualität besitzen: Zeitlosigkeit. Ein Klassiker ist mehr als nur gut gemacht – er trotzt flüchtigen Trends und behält seine stilistische Relevanz über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Doch was genau erhebt ein Kleidungsstück in diesen Status? Es ist eine Kombination aus universellem Design, überlegener Materialität und einer Konstruktion, die auf Langlebigkeit ausgelegt ist.

Das erste Kriterium ist die materielle Ehrlichkeit. Klassiker bestehen selten aus komplexen Mischgeweben, deren Eigenschaften schwer vorhersehbar sind. Stattdessen setzen sie auf hochwertige Mono-Materialien. Ein echter Lodenmantel aus 100 % Schurwolle, eine robuste Jeans aus reiner Baumwolle oder ein Trenchcoat aus dicht gewebter Gabardine. Diese Materialien entwickeln mit der Zeit eine charakteristische Patina und werden durch das Tragen oft schöner und persönlicher. Diese Eigenschaft, in Würde zu altern, ist ein Kernmerkmal von Ikonen. Tatsächlich zeigen Studien, dass über 80% der zeitlosen Klassiker aus 100% Mono-Materialien gefertigt sind.

Fallbeispiel: Deutsche Design-Ikonen von Wellensteyn bis Lodenmantel

Ein hervorragendes Beispiel für Langlebigkeit durch Materialtreue sind deutsche Klassiker. Die oft funktionalen Jacken von Marken wie Wellensteyn oder der traditionelle bayerische Lodenmantel sind Paradebeispiele. Sie setzen auf robuste, bewährte Materialien, die für eine bestimmte Funktion optimiert sind. Ein Lodenmantel aus reiner, gewalkter Schurwolle ist von Natur aus wasserabweisend, winddicht und extrem widerstandsfähig. Er altert nicht, er reift. Diese Konzentration auf ein einziges, hochwertiges Material ist der Schlüssel zu seiner außergewöhnlichen Lebensdauer und seinem zeitlosen Status.

Das zweite Kriterium ist ein reduziertes, funktionales Design. Ein Klassiker schreit nicht nach Aufmerksamkeit durch schrille Muster oder extreme Silhouetten. Sein Schnitt ist ausbalanciert, schmeichelt unterschiedlichen Körpertypen und dient einem klaren Zweck. Denken Sie an das weiße Hemd, die Lederjacke oder den marineblauen Blazer. Ihre Form ist über Jahrzehnte perfektioniert worden und bietet eine neutrale Leinwand, die sich vielseitig kombinieren lässt. Sie sind nicht Teil eines Trends, sondern die Basis, auf der Trends erst aufbauen.

Nicht jeder heiße Stein ist gleich: Woran Sie eine qualitativ hochwertige Hot-Stone-Massage erkennen

Auf den ersten Blick scheint dieses Thema hier fehl am Platz. Doch die Prinzipien, nach denen man die Qualität einer Hot-Stone-Massage beurteilt, sind eine perfekte Analogie für die Bewertung von Kleidung. In beiden Fällen geht es um Authentizität der Materialien und die Qualität der „Verarbeitung“ – sei es die Massagetechnik oder die Nahtführung.

Bei einer Hot-Stone-Massage ist das Material entscheidend. Echte, naturbelassene Basaltsteine werden verwendet, weil ihre hohe Dichte und mineralische Zusammensetzung es ihnen ermöglichen, Wärme lange und gleichmäßig zu speichern und abzugeben. Billige Imitate oder einfach nur erhitzte Kieselsteine kühlen schnell aus und geben die Wärme ungleichmäßig ab, was den therapeutischen Effekt mindert. Hier sehen wir die erste Parallele: So wie echte Basaltsteine Wärme besser speichern, speichern echte Naturfasern wie Wolle, Kaschmir oder Leinen Qualität und Funktion. Eine Wollfaser kann Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen, und isoliert hervorragend. Eine Acrylfaser, ihr synthetisches Pendant, kann dies nicht. Sie ist nur oberflächlich „warm“.

Die zweite Parallele ist die Ausführung. Ein erfahrener Therapeut weiß genau, wie er die Steine führt, welchen Druck er ausübt und wie er die Wärme gezielt einsetzt. Seine Technik ist präzise und auf den Körper abgestimmt. Ein Laie legt die Steine vielleicht nur auf. Genauso verhält es sich bei Kleidung: Ein guter Schneider führt die Nadel präzise, wählt die richtige Stichart für die jeweilige Belastung und sorgt für saubere Abschlüsse. Ein Massenproduzent näht vielleicht nur schnell die Teile zusammen. In beiden Fällen ist das Ergebnis auf den ersten Blick ähnlich – ein warmes Gefühl auf der Haut, ein fertiges Kleidungsstück – doch die Langlebigkeit, der Komfort und der wahre Wert liegen im Detail der Ausführung und der Authentizität des Materials.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualität beginnt bei der Naht: Prüfen Sie Stichdichte, Geradlinigkeit und Versäuberung auf der Innenseite.
  • Der Stofftest in 10 Sekunden: Fühlen Sie die Dichte, machen Sie den Knittertest in der Faust und prüfen Sie die Webart gegen das Licht.
  • Details entlarven die Wahrheit: Achten Sie auf solide Knöpfe, saubere Knopflöcher und leichtgängige Reißverschlüsse.

Investition in Stil statt in Trends: Wie Sie echte Designklassiker erkennen und zur Grundlage Ihrer Garderobe machen

Die Entscheidung für Qualität ist letztendlich eine wirtschaftliche. Anstatt zyklisch billige Trendteile zu kaufen, die nach einer Saison entsorgt werden müssen, bedeutet eine Investition in hochwertige Klassiker, eine Garderobe aufzubauen, die an Wert und Charakter gewinnt. Der Schlüssel zu dieser Denkweise ist die Cost-per-Wear-Logik: Die wahren Kosten eines Kleidungsstücks sind nicht der Kaufpreis, sondern der Preis geteilt durch die Anzahl der Male, die Sie es tragen.

Ein billiges Fast-Fashion-Teil mag im ersten Moment wie ein Schnäppchen wirken. Wenn es aber nach zehnmal Tragen Form und Farbe verliert, war jeder einzelne Tragemoment relativ teuer. Ein hochwertiger Mantel, der anfangs eine größere Investition darstellt, aber über zehn Jahre hinweg hunderte Male getragen wird, hat am Ende einen verschwindend geringen Preis pro Tragen. Diese Berechnung verschiebt den Fokus von kurzfristigen Ausgaben zu langfristigem Wert. Sie kaufen nicht mehr nur ein Produkt, sondern einen langjährigen Begleiter.

Die Erkennung echter Designklassiker, wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, ist die Grundlage für diese Strategie. Es geht darum, eine persönliche Uniform aus vielseitigen, langlebigen und gut kombinierbaren Stücken aufzubauen. Ein perfekt sitzender Blazer, eine robuste Jeans, ein klassischer Wollpullover – diese Elemente bilden das Fundament. Sie können dann durch wenige, ausgewählte Trend-Accessoires ergänzt werden, anstatt dass die gesamte Garderobe aus kurzlebigen Moden besteht. Dieser Ansatz spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Nerven. Die tägliche Frage „Was ziehe ich an?“ wird einfacher, wenn der Schrank gefüllt ist mit Teilen, die man liebt, die passen und die verlässlich sind.

Die folgende „Cost-per-Wear“-Rechnung verdeutlicht, warum eine höhere Anfangsinvestition die wirtschaftlich klügere Entscheidung sein kann, wie es eine Analyse von Kosten pro Tragen zeigt.

Cost-per-Wear Rechnung: Qualität vs. Quantität
Szenario Anschaffung Lebensdauer Kosten pro Jahr Cost-per-Wear (bei 50x/Jahr)
Qualitätsjacke 400€ 8 Jahre 50€ 1€
4x Fast Fashion 4x 100€ je 2 Jahre 50€ 2€

Für eine nachhaltige und stilvolle Garderobe ist es entscheidend, diese langfristige Perspektive der Investition zu verinnerlichen.

Die Umstellung auf qualitätsbewussten Konsum ist ein Prozess. Beginnen Sie damit, beim nächsten Kauf nur ein oder zwei der hier genannten Prinzipien anzuwenden. Mit der Zeit wird Ihr Blick geschärft, und Sie werden instinktiv erkennen, welches Kleidungsstück eine echte Investition und welches nur eine teure Enttäuschung ist.

Geschrieben von Lena Schmidt, Lena Schmidt ist eine gefragte Stilberaterin und Bloggerin mit 8 Jahren Erfahrung, die sich auf Slow Fashion und die Entwicklung eines individuellen, nachhaltigen Stils spezialisiert hat.