
Eine zukunftssichere Ladeinfrastruktur ist weniger eine Frage neuer Hardware als vielmehr eine Frage intelligenter, systemischer Orchestrierung der Energieflüsse.
- Intelligentes Lastmanagement verhindert Netzüberlastungen in Wohngebieten, ohne dass teure Netzausbauten nötig werden.
- Bidirektionales Laden verwandelt Elektroautos von reinen Verbrauchern in aktive, netzstabilisierende Energie-Knotenpunkte.
Empfehlung: Betrachten Sie Ladevorgänge nicht isoliert, sondern als Teil eines dynamischen Gesamtsystems aus Fahrzeug, Gebäude und Stromnetz, um Kosten zu senken und die Netzstabilität zu erhöhen.
Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch, doch mit der wachsenden Zahl an Fahrzeugen rückt eine fundamentale Frage in den Mittelpunkt: Hält unsere Strominfrastruktur diesem Wandel stand? Oft wird die Diskussion auf die reine Anzahl von Ladesäulen reduziert – ein Wettlauf um Quantität. Man spricht über den „Lade-Dschungel“ der Apps, die Reichweitenangst im Winter oder die Dauer von Ladevorgängen. Diese Aspekte sind relevant, kratzen aber nur an der Oberfläche eines weitaus komplexeren Themas.
Doch was, wenn die eigentliche Herausforderung nicht im Bau von immer mehr Ladepunkten liegt, sondern in der intelligenten Steuerung der bereits vorhandenen und zukünftigen Energieflüsse? Die wahre Revolution findet nicht im Beton der Ladesäulen-Fundamente statt, sondern in der Software, die im Hintergrund agiert. Dieser Artikel beleuchtet die systemischen Engpässe und deren technologische Lösungen aus der Perspektive eines Netzwerkspezialisten. Wir werden das Laden nicht als isolierten Akt des „Tankens“ betrachten, sondern als einen orchestrierten Prozess innerhalb eines komplexen, digitalen Energienetzes.
Wir analysieren, wie intelligentes Lastmanagement den Blackout in der Tiefgarage verhindert, warum Ihr Auto bald als profitabler Stromspeicher dienen kann und welche technologischen und regulatorischen Weichen in Deutschland bereits gestellt werden. Ziel ist es, ein tiefes technisches Verständnis für das Nervensystem der E-Mobilität zu schaffen und zu zeigen, dass die Zukunft des Ladens vor allem eine Frage der Infrastruktur-Intelligenz ist.
Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden technologischen und praktischen Aspekte, die das Fundament für eine erfolgreiche und stabile Elektromobilität in Deutschland bilden. Entdecken Sie die Mechanismen, die hinter einer funktionierenden Ladeinfrastruktur der Zukunft stecken.
Inhaltsverzeichnis: Die System-Architektur der Ladeinfrastruktur
- Wenn alle gleichzeitig laden: Wie intelligentes Lastmanagement den Blackout in der Nachbarschaft verhindert
- Ihr Auto als rollender Stromspeicher: Die revolutionäre Idee des bidirektionalen Ladens
- AC vs. DC: Der entscheidende Unterschied beim Laden Ihres E-Autos einfach erklärt
- Richtig laden, weiterfahren: Der ungeschriebene Knigge für öffentliche Ladesäulen
- Keine Garage, kein Problem? Innovative Ladekonzepte für „Laternenparker“ in der Stadt
- Die eigene Tankstelle zu Hause: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Planung und Installation Ihrer Wallbox
- Der tickende Rohstoffberg: Die gewaltige Herausforderung des Recyclings von E-Auto-Batterien
- Der Umstieg auf E-Mobilität: Ein praxisnaher Leitfaden für angehende Elektroauto-Fahrer
Wenn alle gleichzeitig laden: Wie intelligentes Lastmanagement den Blackout in der Nachbarschaft verhindert
Das typische Szenario: Nach Feierabend kommen die Bewohner eines Mehrfamilienhauses nach Hause und schließen ihre Elektroautos an die Wallboxen an. Ohne Steuerung würde dies zu einer massiven, simultanen Lastspitze führen, die den Hausanschluss und potenziell das lokale Stromnetz überlasten könnte. Die Lösung ist kein teurer Netzausbau, sondern intelligentes, dynamisches Lastmanagement. Dieses System agiert als digitaler Verkehrsregler für den Strom. Es misst kontinuierlich die Gesamtlast des Gebäudes und verteilt die verfügbare Ladeleistung dynamisch auf die aktiven Fahrzeuge.
Anstatt dass alle Fahrzeuge gleichzeitig mit maximaler Leistung laden, priorisiert das System die Ladevorgänge oder reduziert die Leistung für einzelne Fahrzeuge temporär. So wird sichergestellt, dass die maximale Kapazität des Anschlusses nie überschritten wird. Die Initiative „Backbone“ des VDE|FNN demonstriert eindrucksvoll, wie solche Systeme nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Wärmepumpen und Batteriespeicher als flexible Verbraucher in einem intelligenten Kundensystem koordinieren. Dieses Prinzip der systemischen Orchestrierung ist der Schlüssel zur Netzstabilität bei wachsender Elektrifizierung.
Gesetzliche Rahmenbedingungen wie der §14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) unterstützen diesen Ansatz. Er ermöglicht Netzbetreibern, bei drohender Überlastung die Ladeleistung steuernd zu reduzieren, wofür die betroffenen E-Auto-Fahrer im Gegenzug von reduzierten Netzentgelten profitieren. Damit wird netzdienliches Laden nicht nur technisch ermöglicht, sondern auch finanziell attraktiv gemacht. Obwohl die Anzahl der Ladepunkte stetig wächst und laut der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur bereits über 106.431 öffentliche Ladepunkte in Deutschland existieren, liegt die eigentliche Intelligenz in der Steuerung, nicht in der reinen Zahl.
Ihr Auto als rollender Stromspeicher: Die revolutionäre Idee des bidirektionalen Ladens
Bisher wurden Elektroautos als reine Stromverbraucher betrachtet. Das Konzept des bidirektionalen Ladens stellt diese Sichtweise auf den Kopf und verwandelt jedes Fahrzeug in einen potenziellen Energie-Knotenpunkt im Stromnetz. Bidirektionales Laden bedeutet, dass Energie nicht nur aus dem Netz ins Auto fließen kann (Vehicle-to-Grid, V2G), sondern auch aus dem Auto zurück ins Haus (Vehicle-to-Home, V2H) oder sogar ins öffentliche Netz.

Wie dieses Schema verdeutlicht, wird das Auto zum aktiven Teil des heimischen Energiemanagements. Tagsüber mit günstigem Solarstrom vom eigenen Dach geladen, kann das Fahrzeug abends den teuren Netzstrom ersetzen und den Haushalt versorgen. Dies reduziert nicht nur die Stromrechnung, sondern stabilisiert auch das Netz, indem es Lastspitzen kappt. Eine aktuelle Umfrage von Statista aus dem Jahr 2023 zeigt, dass bereits eine hohe Bereitschaft unter deutschen E-Autofahrern für die Nutzung solcher Technologien besteht.
Die Monetarisierung dieses Konzepts ist der nächste logische Schritt, wie Stefan Hahn von ELMI Power im electrive.net Podcast betont:
Ein Batteriespeicher lädt sich aus dem Netz voll, wenn der Strompreis niedrig ist. Wenn ich statt für acht Cent ins Netz einzuspeisen, für 50 Cent an den E-Auto-Fahrer verkaufe, monetarisiere ich meine Energie deutlich besser.
– Stefan Hahn, ELMI Power im electrive.net Podcast
Diese Form der Last-Arbitrage macht das Elektroauto zu einem aktiven Wirtschaftsgut. Technisch erfordert dies spezielle Wallboxen und Fahrzeuge, die den ISO-15118-Standard unterstützen. Auch wenn die breite Einführung noch bevorsteht, ist das bidirektionale Laden ein zentraler Baustein für ein dezentrales und resilientes Energienetz der Zukunft.
AC vs. DC: Der entscheidende Unterschied beim Laden Ihres E-Autos einfach erklärt
Die Begriffe AC- und DC-Laden sind fundamental für das Verständnis der Ladeinfrastruktur, denn sie beschreiben zwei grundlegend unterschiedliche technische Ansätze. AC (Alternating Current/Wechselstrom) ist die Stromart, die aus unseren Haushaltssteckdosen kommt. DC (Direct Current/Gleichstrom) ist die Stromart, die in Batterien gespeichert wird. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wo die Umwandlung von AC zu DC stattfindet.
Beim AC-Laden, typisch für die heimische Wallbox, den Arbeitsplatz oder innerstädtische Ladesäulen, erfolgt die Umwandlung im Fahrzeug selbst durch das sogenannte „On-Board-Ladegerät“. Dessen Leistung (meist 11 kW, selten 22 kW) begrenzt die maximale Ladegeschwindigkeit. Beim DC-Laden, auch Schnellladen genannt, befindet sich der leistungsstarke Gleichrichter direkt in der Ladesäule. Er umgeht das On-Board-Ladegerät und speist den Gleichstrom direkt in die Batterie ein, was Ladeleistungen von 50 bis 350 kW ermöglicht.
Die strategische Platzierung beider Technologien ist für ein funktionierendes Gesamtsystem entscheidend. Das vom Bund geförderte „Deutschlandnetz“ sorgt für den flächendeckenden Ausbau der DC-Schnellladeinfrastruktur entlang von Autobahnen und in städtischen Knotenpunkten, um Langstreckenfahrten zu ermöglichen. Es schließt „weiße Flecken“ auf der Ladekarte und garantiert, dass der nächste HPC-Lader (High-Power-Charger) in wenigen Minuten erreichbar ist. AC-Laden bleibt derweil der Standard für das „Park-und-Lade“-Szenario, bei dem das Fahrzeug ohnehin über mehrere Stunden steht.
| Kriterium | AC-Laden (Wechselstrom) | DC-Laden (Gleichstrom) |
|---|---|---|
| Ladeleistung | Bis 22 kW (meist 11 kW) | 50-350 kW |
| Ladedauer | Mehrere Stunden | 20-60 Minuten für 80% |
| Typische Standorte | Zuhause, Arbeitsplatz, Laternen | Autobahnen, Schnellladehubs |
| Stromumwandlung | Im Fahrzeug (On-Board-Ladegerät) | In der Ladesäule |
| Kosten pro kWh | Günstiger | Signifikant teurer |
| Hardware-Kosten | Ab 500€ (Wallbox) | Ab 30.000€ (Ladesäule) |
Richtig laden, weiterfahren: Der ungeschriebene Knigge für öffentliche Ladesäulen
Eine funktionierende Ladeinfrastruktur ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch des Nutzerverhaltens. An öffentlichen Ladesäulen, insbesondere an begehrten Schnellladern, ist ein rücksichtsvolles Miteinander entscheidend für die Effizienz des gesamten Systems. Das oberste Gebot lautet: Ladeplätze sind keine Parkplätze. Sobald der Ladevorgang beendet ist oder der gewünschte Ladestand erreicht ist, sollte das Fahrzeug umgehend entfernt werden. Viele Betreiber wie EnBW, Tesla oder Ionity erzwingen dieses Verhalten mittlerweile durch Blockiergebühren von 0,10 € bis 0,40 € pro Minute, die nach einer gewissen Standzeit (meist vier Stunden) anfallen.
Für spontanes Laden ohne Vertrag hat die seit April 2024 geltende AFIR-Verordnung (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) eine wesentliche Erleichterung gebracht. Alle neu installierten öffentlichen Ladesäulen müssen nun das kontaktlose Ad-hoc-Laden via Giro- oder Kreditkarte ermöglichen. Dies reduziert den „App-Dschungel“ erheblich. Dennoch lohnt sich der Preisvergleich: Apps wie Chargeprice zeigen, dass die Preisunterschiede zwischen Ad-hoc-Tarifen und Vertragstarifen laut ADAC-Untersuchungen bis zu 62 % betragen können.
Zur Ladeetikette gehört auch, den Ladeplatz sauber zu hinterlassen und das Kabel ordentlich aufzuwickeln, um Stolperfallen zu vermeiden. Ebenso ist es ein Gebot der Fairness, Schnelllader (DC) wirklich nur für die Langstrecke zu nutzen und für längere Parkdauern, etwa beim Einkaufen, auf die zahlreicheren AC-Säulen auszuweichen. Wer eine defekte Säule entdeckt, sollte dies über die Betreiber-App oder die Bundesnetzagentur melden – ein kleiner Akt, der dem nächsten Nutzer und dem System als Ganzem hilft.
Keine Garage, kein Problem? Innovative Ladekonzepte für „Laternenparker“ in der Stadt
Während Eigenheimbesitzer mit der Installation einer eigenen Wallbox eine komfortable Ladelösung haben – laut der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur gab es Ende 2023 bereits 688.562 geförderte private Ladepunkte –, stellt das Laden für Bewohner von städtischen Mehrfamilienhäusern ohne eigenen Stellplatz eine der größten Hürden dar. Für diese sogenannten „Laternenparker“ sind innovative und unauffällig integrierte Ladekonzepte entscheidend für den Erfolg der urbanen Verkehrswende.

Die vielversprechendste Lösung ist die Integration von AC-Ladepunkten in die bestehende städtische Infrastruktur wie Straßenlaternen oder Stromverteilerkästen. Dies minimiert den baulichen Aufwand und vermeidet zusätzlichen „Möbelwildwuchs“ im öffentlichen Raum. Mehrere Pilotprojekte in deutschen Städten testen bereits solche Konzepte. Die Ladeleistung ist hierbei zwar auf 3,7 bis 11 kW begrenzt, was aber für das typische „Nachtladen“ über viele Stunden völlig ausreicht. Der Fokus liegt hier auf Verfügbarkeit und nahtloser Integration statt auf maximaler Geschwindigkeit.
Andere Konzepte gehen noch weiter und experimentieren mit mobilen Ladelösungen. Die Vision reicht bis zu autonomen Laderobotern, die in Parkhäusern zum Fahrzeug kommen, wie es sie in Asien bereits gibt. Der Experte Stefan Hahn von ELMI Power blickt im Interview mit electrive.net bereits in diese Zukunft:
In China gibt es schon autonome Roboter-Batteriepacks, die in Parkhäusern zu Autos fahren. Viele Städte sind schon zu 60 bis 100 Prozent elektrifiziert – da sehen wir, wo das weltweit hingehen kann.
– Stefan Hahn, ELMI Power, electrive.net Interview
Für den deutschen Markt bleiben jedoch das Laden beim Arbeitgeber, an Supermärkten und die intelligente Nutzung der langsam wachsenden öffentlichen AC-Infrastruktur die pragmatischsten Lösungen für Laternenparker in naher Zukunft.
Die eigene Tankstelle zu Hause: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Planung und Installation Ihrer Wallbox
Für Eigenheimbesitzer und Mieter mit festem Stellplatz ist die eigene Wallbox der bequemste und kostengünstigste Weg, ein Elektroauto zu laden. Die Installation ist jedoch ein technisches Projekt, das eine sorgfältige Planung erfordert und zwingend von einem zertifizierten Fachbetrieb durchgeführt werden muss. Eine unsachgemäße Installation stellt nicht nur ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, sondern kann auch zum Verlust des Versicherungsschutzes führen. Folgender Plan führt Sie durch die wichtigsten Schritte.
Die Grundlage jeder Planung ist der Stellplatz-Check und die Evaluierung des Hausanschlusses. Ein Elektriker muss prüfen, ob die vorhandene Kapazität für die gewünschte Ladeleistung ausreicht. In den meisten Fällen ist eine Wallbox mit 11 kW Leistung die ideale Wahl. Sie bietet eine ausreichende Ladegeschwindigkeit für das Laden über Nacht und ist im Gegensatz zu 22-kW-Modellen lediglich anmelde-, aber nicht genehmigungspflichtig beim Netzbetreiber. Das erfolgreiche KfW-Förderprogramm 440 hat den Ausbau massiv beschleunigt, doch auch nach dessen Auslaufen gibt es oft regionale Förderprogramme von Bundesländern, Städten oder lokalen Stadtwerken, die es zu prüfen gilt.
Ihr Aktionsplan: In 8 Schritten zur eigenen Wallbox
- Stellplatz-Check: Klären Sie Eigentumsverhältnisse (Wohnungseigentümergemeinschaft, Mieter) und prüfen Sie die baulichen Gegebenheiten für die Kabelverlegung.
- Elektriker-Beratung: Lassen Sie die Kapazität Ihres Hausanschlusses von einem Fachbetrieb evaluieren, um die maximal mögliche Ladeleistung zu ermitteln.
- Fördermittel recherchieren: Prüfen Sie aktiv die Webseiten Ihres Bundeslandes, Ihrer Stadt und Ihres lokalen Energieversorgers auf aktuelle Förderprogramme.
- Wallbox-Modell wählen: Entscheiden Sie sich zwischen einer anmeldepflichtigen 11-kW-Wallbox und einer genehmigungspflichtigen 22-kW-Variante. Für die meisten Anwendungsfälle sind 11 kW optimal.
- Netzbetreiber kontaktieren: Ihr Elektriker meldet die Wallbox bis 11 kW beim Netzbetreiber an. Für Modelle mit mehr als 11 kW muss vor der Installation eine Genehmigung eingeholt werden.
- Installation beauftragen: Beauftragen Sie ausschließlich einen zertifizierten Elektroinstallateur mit der Montage und dem Anschluss der Wallbox.
- Abnahme durchführen: Lassen Sie sich nach der Installation ein E-Check-Protokoll ausstellen. Dieses dient als Nachweis für Ihre Versicherung.
- Förderantrag stellen: Reichen Sie nach Abschluss aller Arbeiten den Förderantrag mit allen erforderlichen Rechnungen und Nachweisen fristgerecht ein.
Der tickende Rohstoffberg: Die gewaltige Herausforderung des Recyclings von E-Auto-Batterien
Die Traktionsbatterie ist das Herzstück und die teuerste Komponente eines Elektroautos. Mit dem Hochlauf der E-Mobilität wächst auch der Berg an Altbatterien, der in den kommenden Jahren auf uns zurollt. Ein effizientes und nachhaltiges Recycling ist daher keine Option, sondern eine zwingende Notwendigkeit, um Rohstoffabhängigkeiten zu reduzieren und die Ökobilanz der Elektromobilität entscheidend zu verbessern. Die Herausforderung ist dabei enorm, denn die Batterien sind hochkomplexe Bauteile, deren Demontage aufwendig und nicht ungefährlich ist.

Das Ziel des Recyclings ist die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe wie Kobalt, Nickel, Lithium und Kupfer. Moderne hydrometallurgische Verfahren erreichen bereits Rückgewinnungsquoten von über 90 %. Dabei werden die geschredderten Batteriezellen in chemischen Prozessen aufgelöst, um die einzelnen Metalle voneinander zu trennen. Diese aufbereiteten Rohstoffe können dann zur Produktion neuer Batteriezellen verwendet werden, was den ökologischen Fußabdruck erheblich senkt.
Die Politik hat die Dringlichkeit erkannt. Die neue EU-Batterieverordnung, die 2024 in Kraft getreten ist, setzt hierfür einen strengen Rahmen. Sie schreibt nicht nur ambitionierte, schrittweise ansteigende Recyclingquoten für die einzelnen Materialien vor, sondern verpflichtet die Hersteller auch, einen bestimmten Anteil an Rezyklaten in neuen Batterien zu verwenden. Dies schafft einen echten, geschlossenen Kreislauf (Closed-Loop-Recycling) und ist ein entscheidender Schritt hin zu einer nachhaltigen europäischen Batterieindustrie.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stabilität des Stromnetzes hängt nicht von der Anzahl, sondern von der intelligenten Steuerung der Ladepunkte ab.
- Bidirektionales Laden (V2G/V2H) ist ein Game-Changer, der E-Autos zu aktiven Netzstabilisatoren und potenziellen Einnahmequellen macht.
- Für einen erfolgreichen Umstieg müssen individuelle Ladelösungen (Heim-Wallbox, Laternenladen, HPC-Netz) auf das persönliche Fahrprofil abgestimmt sein.
Der Umstieg auf E-Mobilität: Ein praxisnaher Leitfaden für angehende Elektroauto-Fahrer
Der Umstieg auf ein Elektroauto ist mehr als nur ein Fahrzeugwechsel; es ist ein Wechsel der Gewohnheiten, insbesondere beim Thema „Tanken“. Die Frage ist nicht mehr nur „Wo?“, sondern auch „Wann?“ und „Wie schnell?“. Die optimale Ladelösung hängt dabei maßgeblich vom individuellen Nutzungsprofil ab. Ein Langstreckenpendler hat völlig andere Anforderungen an die Ladeinfrastruktur als ein Gelegenheitsfahrer im städtischen Raum.
Ein zentraler Aspekt, den es zu verstehen gilt, ist der Reichweitenverlust im Winter. Bei Minusgraden kann die Reichweite durch die geringere Effizienz der Batterie und den hohen Energiebedarf der Heizung um 20-30 % sinken. Dieser Effekt lässt sich jedoch durch Vorkonditionierung des Fahrzeugs an der Wallbox deutlich reduzieren, da die Energie für das Aufheizen direkt aus dem Netz und nicht aus der Batterie kommt. Finanzielle Anreize wie die THG-Quote, mit der E-Auto-Besitzer jährlich 250-400 € für ihre CO2-Einsparungen erhalten, verbessern die Wirtschaftlichkeit zusätzlich.
Der vom Bund beschlossene Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 zielt darauf ab, die Transparenz für Verbraucher weiter zu erhöhen. Eine geplante zentrale Preisvergleichsstelle soll die Tarife bündeln und direkt in Navigationssysteme und Apps integrieren. Die folgende Tabelle bietet eine Orientierung, welche Ladelösung zu welchem Nutzertyp passt:
| Nutzertyp | Empfohlene Ladelösung | Fahrzeugempfehlung |
|---|---|---|
| Eigenheimbesitzer mit PV | 11kW Wallbox mit Überschussladen | Große Batterien (>70kWh) für Speichernutzung |
| Städtischer Laternenparker | Laden beim Arbeitgeber + öffentliche AC-Säulen | Mittlere Batterien (50-60kWh), gute AC-Ladeleistung |
| Langstreckenpendler | Heimische Wallbox + HPC-Netzwerk | 800V-Architektur für schnellstes DC-Laden |
| Gelegenheitsfahrer | Schuko-Steckdose + Supermarkt-Laden | Kleinere Batterien (<50kWh) ausreichend |
Die Analyse Ihrer individuellen Anforderungen ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen und kosteneffizienten E-Mobilität. Bewerten Sie daher Ihr Fahrprofil und Ihre Ladeoptionen, um die für Sie passende systemische Lösung zu finden.
Häufig gestellte Fragen zu Ladeinfrastruktur für E-Autos
Warum sind Ad-hoc-Ladetarife teurer als Vertragstarife?
ADAC-Untersuchungen zeigen Preisunterschiede von bis zu 62% zwischen Ad-hoc und Vertragstarifen. Anbieter kompensieren damit fehlende Grundgebühren und höhere Transaktionskosten für das spontane Laden.
Was bedeutet die neue AFIR-Verordnung für Nutzer?
Seit April 2024 müssen alle neuen Ladesäulen kontaktloses Bezahlen per Giro- oder Kreditkarte ermöglichen, was den „App-Dschungel“ deutlich reduziert und das spontane Laden vereinfacht.
Wie funktionieren Blockiergebühren bei verschiedenen Anbietern?
Anbieter wie EnBW, Tesla und Ionity berechnen nach einer Standzeit von typischerweise 4 Stunden zusätzliche Gebühren von 0,10-0,40€/Min. Dies soll verhindern, dass Ladesäulen als Parkplätze missbraucht werden und die Verfügbarkeit für andere Nutzer erhöhen.
Droht der Blackout wenn alle gleichzeitig laden?
Nein, intelligente Lademanagement-Systeme und Smart Grids verteilen die Last dynamisch. Zudem finden laut Studien etwa 85% der Ladevorgänge nachts statt, wenn die allgemeine Netzauslastung ohnehin gering ist.
Wie groß ist der Reichweitenverlust im Winter wirklich?
Bei Minusgraden kann die Reichweite um 20-30% sinken. Durch das Vorkonditionieren des Fahrzeugs, während es noch an der Wallbox angeschlossen ist, lässt sich dieser Verlust auf etwa 10-15% reduzieren.
Lohnt sich die THG-Quote für Privatpersonen?
Ja, Besitzer von reinen Elektroautos können durch den Verkauf ihrer CO2-Einsparungen über spezialisierte Anbieter eine jährliche Prämie von derzeit 250-400€ erhalten. Dies ist ein direkter finanzieller Vorteil der E-Mobilität.